Schwirr, Baktopilz und Flüssigmangel – neue Wörter für Pflege und Medizien

(Wortschöpfungen, Pflege, Medizin, Lernen)

Heute einige Neuwörter aus dem medizinisch-pflegerischen Bereich.

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Einzelne Wörter in der unten stehenden Liste sind als Lern- oder Merkhilfen gedacht (s. Zitatmarkierungen weiter unten). Um sich die klassischen Entzündungszeichen einfacher zu merken, können z. B. Anfangswörter wie „Rüschsche“ helfen.
Rüschsche steht für Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz, eingeschränkte Funktion – also die tüpischen Zeichen einer Entzündung.

 

Ein Großteil der Neuschöpfüng (kürze Mz. von Neuschöpfung) dient einfach der Verknappung und Verkürzung langer Fachausdrücke. Spart Zeit und lässt sich besser merken. Vielfach handelt es sich einfach um Zusammungen wie Schwirr, also Wörter oder Wortkombinationen, bei denen einfach Anfang und Ende zusammengezogen wurden: Schwirr = Schwindel und Verwirrhtheit. Häufig sind überflüssige Zwischensilben gekürzt worden:
Flüssigdarf etwa und Flüssigmangel sind doch viel kanpper als Flüssigkeitsbedarf und Flüssigkeitsmangel.

OderungenOder-Verbindungen – sind eine grammattische Neuerung von Ideesamkeit.de. Der Baktopilz etwa steht für Bakt(erien)-o(der)-Pilz(Befall). Wie gesagt: Das spart Zeit und Platz. Färbosüß – ebenso eine neue Oder-Verbindung – steht für (ge)färbt-o(der)-süß – oder beides zusammen: Besonders für Menschen mit Demenz sind färbosüße Getränke in Sichtreichweite absolut zu empfehlen, um die Flüssigfuhr zu steigern und dementsprechend einem Flüssigmangel vorzubeugen. – Wie sie sehen: Auf diese Weise lassen sich mehr Informationen über den Patienten mit weniger Worten bzw. Zeichen ausdrücken. ;-)

Mit * markierte Wörter bzw. Schreibüng wurden von Ideesamkeit.de entwickelt. Manche davon befinden sich auch noch in der Test- und Erprobungsfase. ;-)

Alle Angaben ohne Anspruch auf inhaltlich-medizinisch-pflegerische Korrektheit (!). Als Quellen für die Wortschöpfüng dienten die einschlägige Fach- und Unterrichtsliteratur samt Lernkarten (Thieme Verlag) – z.B. „Altenpflege“, 3. Aufl., Ilka Köther).

Es sagt keiner, dass automatisch alle Wortneuheiten sinnvoll sind … aber vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihnen vom Wort her gefällt oder beim Kurzfassen oder Lernen weiterhilft.

  • Schwirr, der* – kurz für: Schwindel und Verwirrhtheit – ein Sümptom einer Blutarmut (Anämie)
  • -üng* – Kurzform für -ungen. Spart bei einer ganzen Reihe von Wörtern auf -ung inner Mehrzahl (Mz.) einige Zeichen.
  • Tachie, die* – kurz für: Tachikardy
  • Blutverdickung*, Dickblut-*: Polyglobulie
  • Blutkrebs (vorh.), weißes Blut*: Leukämie
  • Drür, der/das* – kurz für: Druckgeschwür, Dekubitus -auch: Drur (Stadien: I Rotdrür, II Blasendrür, III-Haut-Muskel-Drür, IV Knochendrür)
  • Sedis, die, MZ- EZ: das Sedi*: sedierende Medikamente, Reihenbildung zu „Medis“
  • Krankung*, Krung* – kurz für: Erkrankung
  • Gelenk(k)rung* – kurz für: Gelenkerkranung
  • kaumkaum* kurz für: Kaugummi kaun (mit Angleichung des n zu m)
  • Flüssigfuhr – kurz für: Flüssigkeitszufuhr
  • Wundjuck, der*, Wundjucke, die, Hautjucke*: Intertrigo, die. Ursachen für Wundjuck(e) (Intertrigo) sind Quill, Haut-Haut-(Rieb) und Baktopilz.
  • Quill, der*: Aufquellen der Haut, Mazeration
  • Haut-Haut-(Rieb), der*: Hautreibung an Stellen, an denen Haut auf Haut liegt (z.B. Bauchfalte auf Leiste)
  • Baktopilz – neue Wortform: Bak(terien)-o(der)-Pilz -> Baktoilz ist also ein Bakterien- oder Pilzbefall
  • Fizwisch, der* – Fingerzwischenraum
  • Zehzwisch, der* – Zehenzwischenraum
  • Balte, die* – kurz für: Bauchfalte
  • Gsalte, die* – Gesäßfalte, Analfalte
  • Flüssigmangel, der* – in Zeiten knapper Zeitressurßen ist Flüsskeitsmangel einfach zu lang
  • Flüssigdarf, der*: Ist doch viel knapper als Flüssigkeitsbedarf
  • Sichtreichweite, die*: Um einem Flüssigmangel oder gar einer Austrocknung (Exsikkose) vorzubeugen, sollten die Getränke immer in Sichtreichweite – in Sicht- bzw. Reichweite – des zu Pflegenden gestellterden
  • färbosüß, farbosüß*: ebenfalls eine der neuen Oder-Verbindungen, wie Baktopilz: Gerade bei Demenz hilft es ungemein, wenn die Getränke farbosüß sind, gefärbt (am besten rot) – dann werden sie besser erkannt – oder süß (Süßes geht immer.) Am besten gleich beides zusammen.
  • Rüschsche, die*: Lern- oder Merkwort für die tüpischen Entzündungszeichen. Mit kurzem u. Über die Schreibung mit Doppeltem sch diskutiert die Fachwelt noch.;-)

    • Rötung
    • Überwärmung
    • Schwellung
    • Schmerz
    • eingeschränkte Funktion
  • Schlörung, die* – kurz für: Schluckstörung
  • Ruhelose Schenkel* (RLS) – deutsch für: Restless-Legs-Syndrom
  • Kmerzen* – eine Wortkürzung,bei der man das bekommt, was sie aussagt: Kopfschmerzen.
  • Veratmen* – ähnlich wie verschlucken, kamman sich auch veratmen (aspirieren). Die Veratmung (Apsiration) ist allerdings nicht so harmlos, wie sie klingt, sondern lebensbedrohlich. Häufig gelangen aufgrund einer Schlörung (Schluckstörung) – besonders zusammen mit Schnessen ((zu) schnellem Essen, schlingen) oder Spressen (Sprechen beim Essen) Speichel oder Nahrungsreste in die Atmenwege. Was eine Atemnot bis hin zum Ersticken zurfolge haben kann.
  • schnessen* –  früher: schlingen – da heute kau mncoh einer von Runterschlingen spricht,gibt es jetzt ein anderes Wort: (zu) schnell essen: schnessen
  • spressen* – Bei Tisch gar nicht reden, wie in früheren Geburtlerschaften (Generationen) üblich, ist doof. Aber zu viel spressen sollte man auch nicht. eigentlich sollte man sogar gar nicht gleichzeitig sprechen und essen. Weil: Gefahr, sich zu veratmen. s.o. Lieber nacheinander sprechen und essen.
  • Körselschmerz, Körseelschmerz* – Gerade bei leidenden Menschen, etwa Kranken oder Sterbenden, ist sowohl der körperliche als auch der seelische Schmerz zu beachten: Angst vor dem Alleinsein / alleine sterben müssen, dem Verlust der Würde, Hilflosigkeit – Mit nur medizinischer oder nur seelisch-geistlicher Hilfe ist dem Betroffenen nicht wirklich geholfen. Beide Gesichtspunkte – körperlich und seelisch (und geistlich!) spielen eine Rolle.
  • Nicht-Wahr-Wolln* – Nicht-Wahr-haben-wollen: erste Fase des Sterbeprozesses nach Kübler-Ross. Verdrängung der unangenehmen Nachricht.
  • Austeilende, die*: mit A wie Arterie: Blutgefäße, die das Blut im Körper- oder Lungenkreislauf austeilen, also vom Herzen weg transportieren
  • Versammle, die*: mit V wie Vene – Blutgefäße, die das Blut aus dem Körper- oder Lungenkreislauf wieder versammeln
  • Muskel-Venen-Pumpe: keine neue Worterfindung, aber man sollte dieses Wort irgendwo auf jeden Fall mal einbauen ;-)
  • Varchrothrotief, das*: Das Varchrothro-Tief bezeichnet Komplikationen (Verschlimmerungen), die bei Krampfadern (Varitzen*, Varizen) auftreten können:

    • Varitzenblutung (fachsprachlich ohne t)
    • chronisch venöse Insuffizienz
    • Thrombophlebitis, Tromboflebietis
    • tiefe Beinvenenthrombose
  • wärmröt* – wärmröte Haut – erwärmte und gerötete Haut – ist neben schmerzhaften, als Strang tastbaren Versammlen ein Krankheitszeichen (Sümptom) der Tromboflebietis (Thrombophlebitis)
  • Rauchfettüberzuckerung, die*

    KHK-RFO: Rauchfettüberzuckerung

    Rauchfettüberzuckerung umfasst die Risikofaktoren 1. Ordnung (RFO) schlechthin für eine Koronare Herzkrankheit (KHK): Rauchen, Fettstoffwechselstörung, Hypertonie (über = hyper), Diabetes mellitus (Zucker(krankheit))

    Um die Risikofaktoren einer KHK zu verringern, wäre das Wort einfach „umzudrehen“: Nicht mehr rauchen, fettarme Ernährung, den hohen Blutdruck (samt Aufregung) senken, eine gute Blutzuckereinstellung – daneben auch: weniger Gewicht, mehr Bewegung, weniger Stress -> s. Gewichtsbewegungsaltersstress

  • Gewichtsbewegungsaltersstress, der*
    KHK-BS: Gewichtsbewegungsaltersstress

    Gewichtsbewegungsaltersstress ist der Stress, den das Herz und die Herzkrankgefäße mit der koronaren Herzkrankheit haben, wenn zu viel Gewicht im fortgeschrittenen Alter zu wenig bewegt wird und-oder dann auch noch Stress dazukommt.

    Mit anderen Worten: begünstigende Faktoren für eine KHK sind: Adipositas, Bewegungsmangel, Stress und Alter.

  • Nitra-Beta-Kalzia-Thromba (Niter-Better-Kalzier- Tromber)
    Medikamente, die zur Behandlung einer koronaren Herzkrankheit eingesetzterden:

    Nitrate (Gefäßerweiterung- und entlastung) – eindeutschend: Nitrer*- Betablocker (vermindern Sympatikuswirkung, Puls und RR sinken) – eindeutschend: Better*
    Kalziumantagonisten (Gefäßerweiterung- und entlastung) – eindeutschend: Kalzier*
    Thrombozytenaggregationshemmer – sollen Blutgerinnung im Herzen vermeinden  – eindeutschend: Tromber*

  • Bleechherzler*, die (Mz.)
    Unter Bleechherzlern* versteht man die diagnostischen Verfahren zur Abklärung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung:

    Blutdruck- und Pulsmessung
    EKG (Elektrokardiogramm)
    Echokardiografie
    Herzkat(h)eteruntersuchung
    Langzeit-EKG und -pulsmessung
    Ergometrie
    Röntgen-Thorax

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