Schwimmkönn – sich konzentrierkönn – Sprache weiterentwickönn: Ideen zur (Sprach-)Pflege

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  • Pinguine müssen unheimlich gut schwimmkönn,
    um genügend Fische zu fangen.*
    ..
  • Dieser Artikel beschreibt Installationsprobleme
    und was Sie dagegen tukönn (tunkönn).*
    ..
  • Es gibt nur ganz wenige Kinder, die sich gar nicht konzentrierkönn.*
    ..
  • MitarbeiterInnen in Pflegeberufen müssen ihr Handeln fachlich begründkönn.
    ..
    * (Satzbeispiele 1 -3 nach anderen Internetseiten weitestgehend zitiert, hier jedoch z. T. abgewandelt. Links zu den Originalformulierungen s. u.)
    ..

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(Satzbeispiele: So könnte die Grammatik eigentlich auch aussehen: neue Formen, sprachliche Effektivität.)

Heute im Angebot: gramattische Neuerungen, die durch die Pflegewissenschaft inspiriert wurden
(Beitragswiederholung vom 13.09.2012, überarbeitet. Rechtschreibung aussprachegemäß)

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Könnte die Pflegewissenschaft etwas zur Entwicklung und Pflege der deutschen Sprache beisteuern? Sie kann! Ließen sich aus der Pflegewissenschaft heraus Ideen entwickeln, um dem hier und da beklagten Verfall der deutschen Sprache entgegenzuwirken? Aber klar! Würden auch andere Wissenschaftszweige oder die Umgangssprache einen Nutzen von Sprachideen haben, die durch die Pflegesprache angeregt wurden? Denke schon. – Jedenfalls ist das die Meinung von Ideesamkeit.de .

Die Idee

Sehr beliebt in wissenschaftlichen und schulischen Zusammenhängen sind Temen-Übersichten, Tabellen, Tschecklisten, … kurz: Aufzählungen unterschiedlichster Art. Mit ihrer Hilfe lässt sich prüfen, ob alle Materialien da sind, man kann einteilen, gruppieren, Erledigtes abhaken, …
So auch in der Pflege. Dort findet sich ein sehr bekanntes Struckturmodell: Die so genannten ABEDLs, d. h. die “Aktivitäten, Beziehungen und existenziellen Erfahrungen des Lebens” nach Monika Krohwinkel. (Das B für die Beziehungen wurde inzwischen von Prof. Krohwinkel ergänzt – vielen wird ihr Strukturierungsmodell noch als AEDL bekannt sein.)

Wie und wofür man dies bekannte Struckturmodell für die Pflege genau verwenden kann, sei an dieser Stelle mal ausgelassen. (Einzelheiten s. Pflegebücher u. ä.).

Was aus sprachlicher Sicht interessant ist, …
… hier mal ein Auszug aus den 13 ABEDLs:
..

  • kommunizieren können
  • sich bewegen können
  • sich pflegen können
  • sich entwickeln können
  • Beziehungen gestalten können

Fällt Ihnen was auf? Die sprachliche Strucktur dieser Struckturierungsliste! Immer gleich aufgebaut: zuerst ein Zeitwort, dann “können. Ein Mattematicker würde hingehen und erstmal die Buchstabenfolgen “können” ausklammern: (kommunizieren + sich bewegen + …) * können. Als (Sprach-)Pfleger könnte man da auf folgende Idee kommen:
..
Der Verfall der Deutschen Sprache: “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.”

Von Zeit zu Zeit wird der Verfall der deutschen Sprache beklagt. Niemand nutzt mehr des Genitivs, stattdessen nehmen alle nur noch dem Dativ zum Reden. Die starken Zeitwörter wie buk und frug gehen verschollen – und man sacht nur noch backte und fragte. Aus sprachpflegerischer Sicht echt schade.

Vielleicht – so die Idee – könnte man dem Verfall der gramattischen Artenvielfalt dafür an anderer Stelle entgegenwirken. Z. B. durch neue grammatische Entwicklungen. Die könnten den Ausdrucksreichtum der Sprache wieder etwas aufstocken.

Die ABEDLs als Anregung für sprachliche Weiterentwicklungen

Ein Blick auf die Liste der ABEDLs – die “Aktivitäten, Beziehungen und existenziellen Erfahrungen des Lebens” nach Monika Krohwinkel zeigt: Aus der Pflegefachsprache lassen sich neue Ideen für gramattische (spricht man so) Weiterentwicklungenableiten:

die Könn-Grundform

Sich bewegen können, pflegen können – das Gefüge aus Zeitwort (Werb) und Grundform (Infinitief) könnte man eigentlich auch kürzer und knapper fassen: in der Könnform – als Infinitiv mit können. Wie das aussehen könnte, zeigen die folgenden Begriffe aus den pflegerischen ABEDLs und deren Umfeld.

Sprache weiterentwickönn – viel kürzer als „Sprache weiter entwickeln können“
– Die Könn-Grundform –
angeregt durch die 13 ABEDLs

Hier einmal die 13 ABEDLs in der neuen Könn-Form

  1. kommunizie(r)könn – kommunizieren können. Das r kann hier, wegfallen, um die Aussprache zu erleichtern
  2. sich bewekönn – sich bewegen können. Sehr unwahrscheinlich, dass jemand das g in sich bewegkönn mitsprechen würde. Also: g vor k(önn) fällt weg.
  3. Wichtigwerte erhaltkönn: Wichtigwerte heißt soviel wie Vitalfunktionen (Neuwort von Ideesamkeit.de). Bei Krohwinkel: “Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten können.”
  4. Sich pflekönnsich pflegen können. Ohne g, s. sich bewekönn.
  5. Sich kleidkönn – sich kleiden können. d und t sollten vor dem könn erhalten bleiben. Ansonsten gäbe es wahrscheinlich zu viele gleiche Formen: z. B. könnte meikönn dann sowohl meiden können als auch meinen können bedeuten. Daher lieber eindeutiger: meidkönn und meinkönn (oder meinnkönn, mit Betonung auf nn)
  6. Ausscheidkönn – ausscheiden können
  7. Essuntrinkönn – wunderbar kurz für: Essen und trinken können
  8. Ruhen, schlafen, sich entspannkönn
  9. Sich beschäftigen, lernen, sich entwickkönn
  10. Die eigene Sexualität lebkönn
  11. Für eine sichere / fördernden Umgebung sor(g)könn – … sorgen können
  12. Beziehungen sichern- und gestaltkönn
  13. Mit existenziellen Erfahrüng des Lebens umgehnkönn – umgehnkönn = (mit etwas) umgehen können. Umgehkönn wäre: (etwas) umgehen können.

Vorauslese (Litteraturangabe): Pflegewiki und Fachbücher

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Eigentlich würde sich in den ABEDLs noch ein C richtig gut machen. ABCEDLs. Das klingt noch stärker nach einem wirklich grundlegenden Pflege-Alfabet: Das ABC der Pflege. Die Grundlage. Unentbehrlich.

Das C würde in diesem Zusammenhang für das behutsame Angebot des christlichen Glaubens stehen. An vielen Stellen gibt es solche Angebote längst – an vielen Stellen sind sie aber auch über die Jahre hinweg weggefallen. Nicht jeder kann etwas mit Gott und Jesus anfangen.

In Kürze feiern wir Weihnachten. Ich bin der Meinung, wir dürfen als Einzelne und als Institutionen ruhig zu unserem Glauben stehen. Haben wir es wirklich nötig, unsere Weihnachtsfeiern in „Winter-“ oder „Schneefest“ umzubenennen – nur um niemanden glaubensmäßig vor den Kopf zu stoßen? Noch dazu, wo mit den Begriffen Weihnachtsfest und Weihnachtsbaum heutzutage kaum noch jemand so wirklich konkrete Aussagen verbindet (von Ausnahmen mal abgesehen)?

An wessen Geburtstag denken wir an Weihnachten? Richtig, an den Geburtstag von Jesus. Den Scheff der Kirche und damit auch den Scheff aller kirchlichen und kirchlich-diakonischen Einrichtungen. Und ich find – zum Scheff von Kirche und Diakonie können wir uns ruhig stellen, auch in der Wortwahl.

Ansonsten gilt der christliche Glaube natürlich nur als Angebot – das man auch ablehnen darf. Aber anbieten sollte man den Glauben hier und da schon … wir haben als Pflegende, Leitende, Mediziner, Manager usw. auch in dieser Hinsicht eine Verantwortung für unsere Klienten. Ob jemand das Angebot ablehnt oder annimmt, das ist dann ja seine Sache.

——

Eine Anfrage von Ideesamkeit.de an Frau Krohwinkel (ohne den Absatz über Weihnachten ;-)), ob man das C mit in die ABEDLs aufnehmen könne, wurde von ihr abgelehnt. Der Glaube sei ja in der ABEDL „existenziele Erfahrungen“ bereits mit enthalten.

Wobei … Auch die ABEDLs von Frau Krohwinkel sind im Grunde gemommen eine Weiterentwicklung und Süstematisierung der ATLs, der Aktivitäten des täglichen Lebens von Liliane Juchli. Der Name der schweizer Ordens- und Krankenschwester stand lange Zeit als „Synonym für das Pflegemodell der Aktivitäten des täglichen Lebens sowie für das von ihr begründete Pflege-Lehrbuch“ (Pflegewiki). Und ich vermute, dass die Initiatorin der ursprünglichen Konzeption als Ordensschwester gar nicht so viel dagegen hätte, wenn Ideesamkeit.de diese Pflegekonzepte noch um den Buchstaben C für das Angebot des christlichen Glaubens ergänzen würde … ;-)

Wobei … Selbst Liliane Juchli bezieht sich für ihr Konzept auf die amerikanische Krankenschwester und Autorin von Pflegelehrbüchern, Virginia Henderson, und deren „Modell der 15 Grundbedürfnisse“ sowie auf Nancy Roper, eine englische Pflegewissenschaftlerin, die als „Schöpferin eines ganzheitlichen Pflegemodells, auch Modell des Lebens […] genannt“ gilt. (Pflegewiki, 19.12.14)

Und siehe da: Punkt 11 des „Modells der 15 Grundbedürfnisse“ von Virginia Henderson lautet „Gott zu dienen entsprechend seinem persönlichen Glauben“ (Pflegewiki) – Alles schon mal dagewesen. Es gibt nix Neues unter der Sonne. Was spricht dagegen, diesen Punkt – der gar nicht so neu ist, wie ich dachte – als Buchstabe C wieder mit in das traditionsreiche, ganzheitliche Pflegekonzept, das jetzt unter der Bezeichnung ABEDLs bekannt ist, auzunehmen?

Auch die übrigen ABEDLs lassen sich leicht – z. T. fast wörtlich – in den ganzheitlichen Pflegekonzepten von Virginia Henderson und Nancy Roper wiederfinden. Hier Nancy Roper (nach Pflegwiki):

  1. Für eine sichere Umgebung sorgen
  2. Kommunizieren
  3. Atmen
  4. Essen und Trinken
  5. Ausscheiden
  6. Sich sauber halten und kleiden
  7. Regulieren der Körpertemperatur
  8. Sich bewegen
  9. Arbeiten und Spielen
  10. Sich als Mann und Frau fühlen und verhalten
  11. Schlafen
  12. Sterben (Sinn finden)

Erinnert Sie das an was? Klingt sehr nach den ABEDLs … ;-)

Virginia Henderson wiederum orientierte sich an Carl Rogers und Abraham Maslow. Zur Erinnerung, die Maslow’sche Bedürfnispüramiede  – in der erweiterten Form von 1970 (mit Transzendenz = Suche nach Gott). Zu lesen von unten nach oben – wobei die Suche nach Gott sicher auf allen Ebenen stattfinden kann:

  • 8. Transzendenz (= Suche nach Gott) – (Erweiterung von 1970)
  • 7. Selbstverwirklichung
  • 6. Ästhetische Bedürfnisse
  • 5. Kognitive Bedürfnisse
  • 4. Individualbedürfnisse
  • 3. Soziale Bedürfnisse
  • 2. Sicherheitsbedürfnisse
  • 1. Physiologische Bedürfnisse

(Quelle: Wikipedia.de, Maslow’sche Bedürfnispyramide)

Zu den physiologischen Grundbedürfnissen zählen nachm Pflegewiki z.B. atmen, essen und trinken, ausscheiden …, zum Bedürfnis der Selbstverwirklichung die Persönlichkeitsentwicklung, …

ABEDLs (AEDLs) nach Krohwinkel, ATLs nach Juchli, Modell der 15  Grundbedürfnisse nach Henderson und die Bedürfnispüramiede nach Maslow … im Grunde scheint so gut wie jeder das Konzept eines Vorgängers weiterzuentwickeln. von daher würde Ideesamkeit.de den Vorschlag noch einmal wiederholen: Wir wärs mit nem C in den ABEDLs? ;-)

 

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Hier noch ein relatief sinnfreier Spruch, um die ABEDLS zwecks Lernen etwas kürzer zu fassen:

ABEDLs – Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens: (1) Komm, beweg dich vital – (4) pflegen, kleiden, ausscheiden, (7) ruh beschäftigt (10, 9) sichrer Sex, (12) BEE: Beziehungen und existenzielle Erfahrungen.

 

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  • Die Undung* (Und-ung) von Zeitwörtern:
    essuntrinkönn
    , (ess-un-trinkönnen)
    ..
    Ganz nebenbei wird hier noch eine gramattische Neuentwicklung, die Undung (Und-ung) der Zeitwörter – vorgestellt. Zwei Zeitwörter, die durch und verbunden sind (essen und trinken), können gekürzt und miteinander verbunden werden. Aus essen und trinken wird: essuntrinken. Oder, wenn man die einzelnen Bestandteile schriftsprachlich verdeutlichen will: ess-un-trinken.Diese neue grammatische Entwicklung, zwei mit und verbundene Zeitwörter zusammenzuziehen, bietet die Möglichkeit, …
  • sich knapper auszudrücken
  • die Bedeutungseinheit zweier Zeitwörter zu betonen (essen und trinken gehören dann stärker zusammen)
  • die grammatische Formenvielfalt der deutschen Sprache zu erhöhen..
    ..
  • Oderung (Oder-ung)
    Wortpaare, die durch oder verbunden sind, lassen sich in ähnlicher Weise kürzen:
    Kaffeeotee? (Kaffee-o-Tee?)
    Damit ist alles gesagt. Möchten Sie lieber Kaffe oder Tee?
    ..
    ..
  • sich entspannkönn
  • sich entwickönn
  • sich als Mann und Frau verhaltkönn (ursprüngliche Formulierung), die eigene Sexualität lebkönn
  • für eine sichere Umgebung sorkönn, sorgnkönn
  • Beziehungen gestaltkönn
  • mit grundlegenden Lebenserfahrungen umgehnkönn (= ‘umgehen können. Dagegen würde umgehkönn bedeuten: um’gehen können = vermeiden können)
  • fördernde Erfahrungen machkönn, makönn, mackönn
  • unterscheidkönn
  • einbeziehnkönn
    ..
  • erstellkönn
  • tukönn, tunkönn
  • sich konzentrierkönn
  • realisierkönn
    ….Wie man sieht – meist einfach zu bilden, und platzsparend.
    ..
    ..
    Anwendungsbeispiele

    ..
  • Pinguine müssen “unheimlich gut schwimmkönn, um genügend Fische zu fangen“. (Teilzitiert nach br-online.de. Die ursprünglichen Wortformen (schwimmen können) wurden hier von Ideesamkeit.de durch die neue Könn-Grundform (fett) ersetzt.
    ..
  • Dieser Artikel beschreibt verschiedene Ursachen von Installationsproblemen und was Sie dagegen tukönn (/tunkönn). (Aus der Hilfe-Seite eines Brausers.)
    ..
  • Es gibt nur ganz wenige Kinder, die sich gar nicht konzentrierkönn.
    (Abgewandelt von “Sichkonzentierkönn …” (im Original: “Sich konzentrieren können …”) auf schulpychologie.de


Quellen:

Grammatische Neuerungen: Könnform, Undung und Oderung stammen von Ideesamkeit.de

Die (hier abgewandelten) Stichwörter aus den ABEDLs von Monika Krohwinkel sind dem Kapitel “Pflegewissenschaftliche Grundlagen” von Michael Haas und Michael Gehrs in Köther, Ilka (Hg.) “Altenpflege”, 3. Aufl., Stuttgart 2011 entnommen (S. 59).

Ideesamkeit.de

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