Liebe ist Bintieb

(Pflege / Gemeinde / Zusammenleben)

Liebe ist Bintieb.

Was sich erst einmal anhört wie ein völlig sinnfreier Satz, ist einfach eine Eselsbrücke für etwas, was für den Umgang mit Menschen mit Demenz, aber auch für Gemeinschaften und Gemeinden sowie vielleicht sogar für größere soziale Populationen von Bedeutung ist:

Liebe

Liebe im pflegerischen Sinne – wie gesagt, auch für andere Bereiche wie Gemeinde und möglicherweise sogar Diplomatie könnten Erkenntnisse aus der Pflege interessante Ideen beinhalten – ist, frei nach Kitwood: Bin-Tieb*.

Mauerfall-HerzLiebe ist Bin-Tieb.
Foto: Ideesamkeit.de
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Liebe =

  • Bindung: Bezugspflege, feste Bezugspersonen
  • Trost: Verluste und Leiden wahrnehmen, anerkennen und Beistand leisten. Gerade das Anerkennen von Leid fällt vielen Menschen, sogar Christen, oft schwer. Vermutlich dann, wenn man das entsprechende Leid selber nicht kennt oder wenn man es selbst besser verarbeitet. Es hilft aber oft viele mehr, das Leid von Menschen mit Demenz oder auch von gesunden Menschen anzuerkennen. Das beruhigt, man fühlt sich ernstgenommen. Verständnis wächst. Einem Menschen sein Leiden abzusprechen – weil man es selber nicht versteht oder nicht so erlebt (hat) – kann die Situation eher verschlimmern. Daher sind auch fromme Trostzusprechungen frühestens erst dann sinnvoll, wenn man das Leid des Gegenübers – akzeptiert – hat.
  • Identität: Wer bin ich? Wo komme ich her? Hier hilft die integrative Validation (IVA). Man erspürt das Gefühl des Gegenübers, spricht es wertschätzend und bestätigend aus (Sie sind gerade sehr ärgerlich.) und fügt ein Sprichwort und Lied an, dass dieses Gefühl bestätigt und wertschätzt. Anschließend nimmt man auf ein Lebenstema des Menschen Bezug, unterbreitet ein Aktivitätsangebot oder verwendet einen ritualisierten Abschied („Die Arbeit ruft.“), um das Gespräch zu beenden.Die integrative Wertschätzung funktioniert übrigens auch bei gesunden Menschen ganz gut. Statt einem verärgerten Zeitgenossen zu erklären: „Du hast gar keinen Grund, ärgerlich zu sein. Führ dich nicht so auf.“, ist es viel günstiger ihm zuzugestehen: „Du bist gerade richtig ärgerlich.“
    Bei der ersten Antwort wird das Gegenüber tendenziell eher an die Decke gehen, bei der zweiten Antwort wird es eher zustimmen, sich verstanden fühlen, und dann kann man über die möglichen Gründe sprechen …
  • Einbeziehung: Einbeziehen, nicht außen vor lassen. Fördert auch die Bindung. Nicht-Einbeziehen fördert die „Weglauftendenz“. Dabei meint Einbeziehen eine den Wünschen und dem Gesundheitszustand angemessene Beteiligung. Den Wünschen des Einbezogenen entsprechend – nicht ausschließlich den Wünschen desjenigen entsprechend, der Aufgaben zu verteilen hat.
    Ein Mensch mit Demenz kann auch als Zuschauer einbezogen sein.
  • Beschäftigung: Fasst alle Menschen wollen sich irgendwie betätigen, etwas bewirken, etwas Sinnvolles tun. Wobei für Menschen mit Demenz auch das sorgfältige Verteilen des Jogurts aufm Tisch eine sinnvolle Beschäftigung sein kann. Ist okee – der Tisch ist ja vermutlich abwischbar.

 


 

Pflegethemen: Ein Anspruch auf Vollständigkeit, korrekte Angaben oder Haftung jedweder Art der hier getätigten Angaben besteht nicht.

* = Wörter, die es nicht gibt. ;-) Von Ideesamkeit erfunden.

  • Quellen u.a.: Altenpflege, Ilka Köther

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