Was macht Kirche und Gemeinschaften anziehend?

Was macht Gemeinden – egal ob kirchlich, freikirchlich oder gemeinschaftlich – für junge Leute intressant? Hier ein Aspekt von vielen:

Ich gehe gerne in die Kirche, wenn sie mir außer einer Predigt auch Gemeinschaft, Spaß und Lebensfreude geben kann.

(Zitat von Fritzi22, einer jungen Gottesdienst(nicht)besucherin)

Unterhaltung, Austausch, Lebendigkeit – gar nicht so einfach herzustellen – wirken anziehend und interessant. Spaß ist nichts Unchristliches aus der schnöden Welt – sondern in etwa das Gleiche, was andere Generationen mit Freude und Freudigkeit wiedergeben. Nur dass jede Altersgruppe die gleiche Sache anders nennt.

Was die Einzelnen unter Spaß, Lebendigkeit und Freude verstehen, ist natürlich sowohl tüp- als auch altersbedingt unterschiedlich. Während die einen schon froh sind, wenn sie sich auf einer guten Sitzgelegenheit ausruhen und Gottes Wort lauschen können und dazu noch einen richtig guten klassischen Koral zu hören, brauchen die anderen ein bisschen Bewegung – nicht nur für die Gelenke – auch fürs Hirn: Reißt das, was die Redner da vorne sagen, eigentlich vom Hocker? Klar, das ist nicht immer machbar, aber enthält die Predigt hier und da auch mal neue Gesichtspunkte? Und: Darf man selber mitdenken und vor allem mitreden – oder sind die Besucher in Predigt, Vorstandssitzungen und Bibelstunden vor allem für eine Aufgabe da: zum Abnicken?
Und wenn schon Posauenkor (find ich persönlich kuhl) und Orgel, dann sollte es wenigstens YMCA (Wei – ÄM – ßi – Äj) sein. ;-)

Vor allem Mitmachen, Mitreden, Eingebunden sein dürfte ein ganz wesentlicher Aspekt sein. Vorträge hören viele in Studium, Schule und Beruf schon genug. Für den ein oder anderen ist da noch maximal ein zusätzlicher Vortrag pro Woche inner Gemeinde drin. Alle weiteren reinen Votragsveranstaltungen überstrapazieren da das ein oder andere Gehirn. Mitdenken dürfen – hinterfragen, mitreden dürfen, gefragt werden, sich einbringen können … vielleicht wären da die ein oder anderen Besucher mehr da.
Und darf jeder die Gaben inner Gemeindeversammlung einbringen, die er oder sie hat – oder sollte man grundsätzlich die Aufgaben übernehmen, die gerade anliegen?

Die teilweise sehr verschieden Bedürfnisse der (möglichen) Gemeindebesucher unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. Wollen wir einen Gottesdienst zum Ausruhen, zum Zuhören, zum Auftanken und zur Erbauung – oder eine lockere Diskussionsrunde, in der außer den Ältesten auch andere mitreden können? Was für den einen Erbauung (Erholung, geistliches Weiterkommen) – wahlweise viel Ruhe oder viel Leben – ist, ist für den anderen womöglich ein Stressfaktor. Egal ob zu viel Ruhe oder aber zu viel Leben und Mitdenken.

Vielleicht gelingt es, die verschiedenen Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen in Bezug auf Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen irgendwie miteinander zu kombinieren. So hat oder hatte etwa der Jugo, ein großer Jugendgottesdienst in Stuttgart, auch durchaus inhaltsreiche Lieder mit Tiefgang von Paul Gerhardt zwischen „all dem modernen Zeugs“ ;-). Erstaunlich, aber das geht. Zugleich steht auch nirgends inner Bibel, dass Posaunenchöre und Orgel grundsätzlich nur klassische Musik spielen dürfen.

Viele dieser Dinge erlebe ich in meiner jetzigen Gemeinde leider nicht, deshalb sind meine Gottesdienstbesuche derzeit auch eher unregelmäßig.

(Fortsetzung: Zitat von Fritzi22, der jungen Gottesdienst(nicht)besucherin)


Es gibt Menschen – vielleicht vielleicht besonders jüngere, aber auch Menschen anderer Altersgruppen, die nicht in Gemeinden kommen – denen gelingt es einfach nicht immer,
ruhig dazusitzen, angemessen zuzuhören und das, was vorgetragen wird, auch einfach mal zu glauben. Das ist natürlich bedauerlich, wenn junge Leute alles, was endlich einmal feststeht, meinen hinterfragen zu müssen. Aber andererseits haben sogar Luther – auf den sich viele von uns berufen – und Jesus – auf den sich alle Christen berufen, alle möglichen Glaubenskonventionen hinterfragt und auf den Kopf gestellt.

„Prüfet alles, und das Gute behaltet.“, hab ich mal irgendwo gelesen. Wer weiß, vielleicht haben ja auch die jüngeren Gemeinde-(nicht-)Besucher hier und da was zu sagen, was durchaus in Gottes Sinne ist. Vielleicht redet Gott nicht nur durch die Älteren, Erfahrenen – sondern manchmal auch durch die Jungen?

Wenn wir neue und auch junge Menschen für unsere christlichen Veranstaltungen, Gottesdienste, Gemeinschaftsstunden, Bibelstunden usw. gewinnen wollen – vielleicht könnten wir hier und da noch eine gute Portion Gemeinschaft, Frechsein im positiven Sinne, Spaß und Lebensfreude gebrauchen.

Falls Ideesamkeit.de herausfinden sollte, wie genau das geht, werde ich es hier im Blogg je nach Zeit und Gelegenheit erläutern. ;-)

www.ideesamkeit.de

 

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