ICH WILL EINE SPIELDOSE, MODEL 5B, KORREKT ETIKETTIERT, ZUM ENDPREIS VON 4,45 MARK. UND ZWAR HEUTE.

Wie darf man eigentlich mit Gott reden? Wie unverfroren darf man dabei sein? Wie anständig und andächtig muss man sich beim Beten benehmen?

„ICH WILL EINE SPIELDOSE, MODEL 5B, KORREKT ETIKETTIERT,
ZUM ENDPREIS VON 4,45 MARK. UND ZWAR HEUTE.“

Besonders die Älteren unter Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, erinnern sich vielleicht an einen ganz tollen, anrührenden Spielfilm mit Heinz Rühmann: „Die Spieldose“.

Zwei Mädchen kommen in einen kleinen Laden und reklamieren bei Ladenbesitzer Friebe, gespielt von Heinz Rühmann, eine Spieldose. Und das „bloß“, weil die nicht wie angegeben „Ein Männlein steht im Walde“ spielt, sondern ein anderes Lied. Die beiden Mädchen lassen sich durch nichts von ihrem Wunsch abbringen: Kein „Fuchsduhastdiegansgestohlen“, keine zwei Tafeln Schokolade, keinen Preisnachlass. Sie wollen unbedingt „Ein Männlein steht im Walde“.

Rühmann telefoniert mit dem Großhändler: Modell ausverkauft. Die Mädchen drängen weiter. Wer importiert die Spieldose? Die Mädchen drängen. Rühmann fährt zum Importör und versetzt mit seinen hartnäckigen Nachfragen diesen in Verzweiflung: Wegen einer unbedeutenden Spieldose für einen „wichtigen“ Kunden so ein Aufstand? Noch dazu wegen einer einzigen Spieluhr – nichtmal fünf Packungen mit Spieldosen will der Mensch haben …

Rühmann drängelt. Und geht schließlich unverrichter Dinge. Die Mädchen warten bis 17 Uhr vor dem Geschäft. Rühmann, hat die Mädchen schon gesehen.Er steht mit dem Rücken zur Tür, und als die Tür aufgeht, erklärt er ihnen, warum es mit dieser Spieluhr nichts geworden ist … Als er sich umdreht, steht jedoch der Importör da, der gerade reingekommen ist. Er hat doch noch genau dieses Exemplar gefunden hat.Rühmann: „Ich fürchte, ich war ein bisschen zu direckt und unverblümt.“ Jetzt ist es Punkt 17 Uhr. Die Mädchen betreten den Laden und  erhalten genau die gewünschte Spieldose. Ohne zu wissen, welchen Aufruhr die beiden Kinder mit ihrer beharrlichen, aus Sicht der Erwachsenen veilleicht naiwen Bitte ausgelöst haben, sagt das eine der Mädchen:
„Ich hoffe, wir haben Ihnen keine zu großen Umstände gemacht.“ …

Genau das ist es! Zu solche einem naiwen, hartnäckigen, unverschämten und nerfendem Bitten fordert Jesus uns Menschen (oder besonders die, die ihm gehören) auf: und zwar gegenüber Gott!

Man höre und staune: Wir sollen Gott hartnäckig und unverschämt in den Ohren liegen, bei ihm an die Tür bollern und ihn mit unserem Bitten auf die Nerfen gehen. So lange, bis er uns endlich Recht verschafft.

Verzeihen Sie: Das sagt Jesus – der, auf den wir uns immer berufen, der Sohn von Gott. Nicht ich.

 

Glauben Sie nicht?

Jesus höchstpersönlich stellt z.T. die unmöglichsten, unangebrachtesten Verhaltensweisen als Vorbild hin – für das Reden mit Gott. Die bittende Witwe. Der bittende Freund. Bartimäus. Die Sürofönizierin. Hiob. Einige „störende“ Kinder. Die Zehn Aussätzigen. Und vielleicht könnte man sogar Salomos Gebet mit dazurechnen.

All diese Personen haben sich – nach den bei uns verbreiteten Maßstäben – völlig unangemessen gegenüber Gott verhalten: Entweder respecktlos oder stur oder unbelehrbar oder störend oder nerfend oder egoistisch oder aufdringlich oder zu laut und ruhestörend oder nicht andächtig genug, nicht ergeben genug … oder alles zusammen. Einige von Ihnen haben sogar Jesus – und damit Gott – z.T. widersprochen.

Erstaunlicherweise hat Jesus diese unmöglichen, unverfrorenen Leute aber nicht gerügt – wie wir das als Christen oft machen würden. Sondern er hat ausgerechnet die, deren Verhalten viele von uns Christen als unfromm und respecktlos gegenüber Gott ansehen würden, als positives Beispiel für das Reden mit Gott hingestellt und sogar ihren Glauben besonders gelobt.

(Ausnahme: Hiob. Der wurde von Gott auch zurechtgewiesen – gegenüber seinen Freunden, die sich an alle frommen Regeln hielten, stand er aber trotzdem als leuchtendes Vorbild da.)

„ICH WILL EINE SPIELDOSE, MODEL 5B, KORREKT ETIKETTIERT,
ZUM ENDPREIS VON 4,45 MARK. UND ZWAR HEUTE.“

So ähnlich haben die Forderungen der bitten Witwe, des bittenden Freundes und die Rufe der Menschen, die sich hilfesuchend an Jesus wandten, auch geklungen.

Und genau wie bei den beiden Mädchen im Film „Die Spieldose“: All diese Menschen bekamen trotz – oder vielleicht sogar wegen – ihrer Hartnäckigkeit und Unverfrorenheit Jesus gegenüber – und damit Gott gegenüber – genau das, was sie wollten.

Richtig: Die Gleichnisse vom verlorenen Sohn und vom betenden Zöllner, die schuldbewusst und zerknirscht zu Gott kommen, hat Jesus auch erzählt. Seiner (miserablen) Position gegenüber Gott sollte man sich als Mensch auch bewusst sein.

Aber die unmöglichen Vorbilder fürs Beten stehen auch in der Biebel drin. Und auch die sind eine Empfehlung von Jesus, unserem Scheff (unserem Herrn), höchstpersönlich.

Zur Genugtuung all jener, die mehr für das andächtige Beten sind: Nach meiner Erfahrung erhört Gott manche Gebete, ohne man ihm lange auf die Nerfen fallen muss. Und obwohl Jesus zu diesem unverschämten, eindringlichen Beten zu Gott aufgefordert hat, hat mir diese hartnäckige Art, zu Gott zu beten, bei meinem Anliegen bis heute noch nix gebracht. Verstehe das wer will, mir isses zu hoch.
Wenn es Ihnen also lieber ist: Sie dürfen natürlich auch andächtig und in wohlformulierten Worten beten.

Gott, Vater im Himmel:
Ich weiß, du bist zu nichts verpflichtet.
Und zwingen kann ich dich zu nichts – du sitzt einfach am längeren Hebel.

Aber denk an die Geschichte mit der Spieldose
– auch wenn sie nicht von dir ist –
und denk an die Aufforderung deines Sohnes, Jesus Christus,
der das mit der unbelehrbaren Witwe
und dem unverschämten Freund
als positives Beispiel aufgezeigt hat,
wie wir zu dir beten sollen.

Ich bin zwar manchmal stur,
aber soviel Sturheit, Hartnäckigkeit und Ausdauer,
wie man bei dir beim Beten braucht, hab ich auch nicht.

Wer wird uns denn glauben, Gott, wenn wir von dir erzählen,
wenn wir verkündigen, was in deinem Buch, der Biebel steht,
und dann steht scheinbar nix dahinter?

Wer wird dir glauben,
wenn du dich in deinem Wort beklagst,
dass die Menschen sich betend an nutzlose Götzen wenden,
die doch nicht helfen können,
obwohl du der einzige Gott bist,
der wirklich jede Not ändern
und sogar das Unmögliche tun kann –
und ich (oder wir) rufe(n) zu dir
– und du erhörst mich (uns) dann nicht?

Erinner dich an deine vielen Verheißungen,
die du gesagt hast.
Gelten die denn nicht mehr,
sobald man mal eine konkret in Anspruch nehmen will?

Vater im Himmel,
ich glaube, es ist etwas unverfroren, so zu beten.
Du triffst die Entscheidungen,
und was für mich und für uns gut ist,
das weißt alleine du.
Wir haben da keinen wirklichen Überblick
– über die Zukunft schon gar nicht.
Du bist nicht an unsere Wünsche gebunden,
und du hast meine Ultimaten schon zigmal verstreichen lassen
– obwohl es so einige tolle Geschichten gibt,
wo Leute sone Art Ultimatum gestellt haben,
und du hast dich dann manchmal
tatsächlich wie gewünscht gemeldet.

Aber dein Sohn – und damit du selber –
hast gesagt, dass wir dir beim Beten auf die Füße treten sollen,
so lange, bis du endlich was tust.

Bitte erinner dich daran!

Am liebsten heute.

Dein xxxxxxx

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