Himmelfahrt. Wozu eigentlich?

(Wiederholung vom 15.08.2013 – vorab:Haute, am 4.10.16 ist türlich nicht Himmelfahrt. ;-)

Ein Blick in den Kalender: Heute ist Himmelfahrt. – War das dieses Jahr nicht schon mal? Warum gibt es ein scheinbar so unbedeutendes Fest, von dem viele kaum noch wissen, worum es überhaupt geht (Vatertag??) gleich doppelt?

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Vielen, die nur einmal im Jahr Himmelfahrt feiern, geht es wahrscheinlich wie dem Autor dieser Zeilen. Himmelfahrt?? Da war doch irgendwas.
Lass mal überlegen: Weihnachten ist klar … Ostern, jaaa … aber Himmelfahrt?? Vor Pfingsten?! Ah: Vatertag! Fahrrad, Bier her …
Okee: Mir würd noch einfallen: Da ist doch jemand in den Himmel aufgefahren: Jesus. Mit einer Wolke. Also er ist nach seinem Leben, Sterben und nach seiner Auferstehung zurückgegangen zu Gott. In den Himmel.

Aber deswegen ein extra Feiertag? So wichtig ist Christi Himmelfahrt doch auch nicht.
Oder etwa doch?

Was mich erstaunt hat, war, dass es von einem Fest – wo vermutlich selbst geübte Kirchgänger nicht so wahnsinnig viel mehr wissen als gerade aufgezählt … dass es von so einem scheinbar unbedeutenden Fest – Christi Himmelfahrt – eine zweite Ausgabe gibt: Mariä Himmelfahrt.

Ein unwichtiges Fest würde man doch aber nicht wiederholen …

* * *

Wie sich bei näherem Nachforschen herausstellte, steckt hinter Christi Himmelfahrt eine ganze Menge mehr, als man eigentlich denken würde. Und zwar dann, wenn man nicht nur den tüpischen Himmelfahrtstext ankuckt – wo steht, wie Jesus in den Himmel aufgefahren ist – sondern wenn man für dieses Fest auch völlig ungewohnte Passagen aus der Bibel als Info mit heranzieht. Z. B. Jesu Lebenslauf in Zeitraffer, hier zitiert nach der Luther-Bibel auf dbg.de:

  • 5 Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:
  • 6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht wie eine Beute fest, Gott gleich zu sein,
  • 7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
  • 8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.
  • 9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,
  • 10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,
  • 11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Was auffällt, sind zuerst die bekannten Sachen: Jesus hat Gottes Auftrag erfüllt, obwohl er dafür auf sämtliche Vorzüge und Privilegien, die er im Himmel gehabt hätte, verzichten musste. Er hat sogar den Tod am Kreuz bewusst als Teil dieses Auftrags in Kauf genommen.
Und dann kommts: Gott hat Jesus wieder lebendig gemacht  (geht aus anderen Stellen hervor) und ihn megamäßig belohnt: Jesus hat die höchste Position im ganzen Universum – nach Gott dem Vater. Er sitzt im Himmel direkt neben Gott dem Vater. Sein Name ist Maßstab. Und jeder – Mensch, Tier, Engel, sonstige Wesen – muss ihm Respekt und Ehrerbietung geben.

Das ist ne Aussage! Und wie man sieht, ist die Position, die Jesus jetzt innehat (anders als bei seinem Leben vor 2000 Jahren hier auf der Erde), nicht gerade bescheiden. Das ist ein Machtanspruch. Die erste Stelle im ganzen Universum! Das steckt – kurz gesagt, als ein Blickpunkt von vielen – mit hinter Himmelfahrt.

* * *

Und jetzt wird es interessant zu fragen: Warum gibt es eigentlich zweimal Himmelfahrt: Christi Himmelfahrt – und Mariä Himmelfahrt?

Bevor es zu lang wird, ein kleiner Überblick. Es sei noch gesagt: Die Infos über Jesus sind quer durch die Bibel zusammengetragen. Die Aussagen über Maria stammen nicht aus der Bibel, sondern sie beziehen sich auf Maria nach der katholischen Überlieferung. Nicht alle Aussagen über Maria sind nach dem katholischen Glauben gleichwertig: Manche sind päpstliches Dogma – gelten also als unbedingt verbindlich. Manche sind Tradition – und damit oft fast genau so wichtig. Und manche sind Forderungen, die nicht allgemein geglaubt, aber doch von vermutlich maßgeblichen Kreisen eingebracht werden. Das ein oder andere wird auch von zahlreichen Marienerscheinungen verkündet. Um den Rahmen nicht zu sprengen, hier nur ein sehr oberflächlicher Überblick.

Worum gehts bei dem Überblick?

Der Vergleich zwischen Christi Himmelfahrt und Mariä Himmelfahrt ist richtig spannend. Wenn man nämlich nachforscht, lässt sich feststellen, dass das, was Jesus Christus mit dem, was er sagt, tut und für sich beansprucht – und das, was  Maria nach der katholischen Lehre und Tradition und nach Marienerscheinungen für sich beansprucht, eine ganze Menge Ähnlichkeiten hat:

  • Jesus fuhr in den Himmel auf – die kath. Maria wurde in den Himmel aufgenommen. (Die katholische Lehre unterscheidet hier zwischen Christi Himmelfahrt und Mariä leibliche Aufnahme in den Himmel. Der Volksmund und griechische Quellen bringen die Ähnlichkeit mit dem Begriff (Mariä) Himmelfahrt aber treffend auf den Punkt.)
  • Jesus war drei Tage tot. – Maria sei auch drei Tage tot gewesen.
  • Jesus ist Fürsprecher für uns bei GottMaria bittet nach römisch-katholischem Glauben für die Gläubigen.
  • Jesus erschien nach seiner Auferstehtung den Jüngern und auch Paulus (hier in hellem Licht)
    – die römische Maria erscheint in Marienerscheinungen (evtl. in Lourdes u.a. sogar mal in Kairo oder irgendwo in Ägypten, u.a.) den Gläubigen.
  • Jesus ist das Licht der Welt – auch von Maria hört man, dass sie als Lichtgestalt erscheine
  • Jesus ist ohne Sünde – nach dem kath. Dogma ist Maria auch ohne Sünde!!
  • Jesus wird verehrt, gelobt, geliebtMaria auch: “unsere liebe Frau” bzw. als Mutter Gottes
  • (Jesus erlöst durch sein Blut. –  Maria nicht. Oder bloß noch nicht? Es gab immer wieder Versuche, Maria zur Miterlöserin zu erklären. (Achtung: Das ist bisher KEINE kath. Lehre!!! Es gibt aber Aussagen eines ital, päpstl. Marieninstituts, wonach ein Dogma der Miterlöserschaft Marias erst verkündigt werden soll, wenn das mit den Evangelischen Christen (!!!!!) gemeinsam (!!!!!) beschlossen wird (!!!!)
  • Jesus ist höher als alle Engel und SerafimMaria soll, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, auch höher als Serafim und Cherubim sein
  • Jesus ist der König aller Könige (Himmelfahrt) – Maria die Königin des Alls oder die Königin des Himmels.

Statussymbole und Machtansprüche

Zwischen Jesus und Maria gibt es also, wenn man die verschiedenen Dogmen, Lehren und Marienerscheinungen mit einbezieht, ganz erstaunlich viele Übereinstimmungen.

Wie oben geschildert, ist allein schon die Himmelfahrt Jesu ein ziemlicher Anspruch: König aller Könige, die erste Person im Universum (nach Gott dem Vater), direkt an Gottes Seite, oberster Scheff und Befehlshaber über alle Menschen, Engel, usw.

Was bedeutet es jetzt, wenn Maria – so wie sie sich in Marienerscheinungen selbst verkündigt oder wie sie in der katholischen Lehre und Tradition verkündigt wird, beansprucht, genau das gleiche getan zu haben, wie Jesus?

Das, was Jesus getan hat, ist nicht einfach Zeitvertreib. Nicht belanglos. Das, was Jesus sagte und tat, ist zugleich ein Statussymbol: “Ich komme von Gott. Ich bin Gott (zusammen mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist). Ich bin der legitime Tronfolger und Herrscher über die Himmel (gibt mehrere) und die Erde.”

Die Maria – die in Marienerscheinungen auftritt – gibt fast genau das gleiche vor. Sie sei auferstanden – wie Jesus, in den Himmel aufgefahren wie Jesus – sündlos – wie Jesus (wo doch jeder Mensch, mit Ausnahme von Gottes Sohn mit Sünde behaftet ist), Fürsprecherin bei Gott – genau wie Jesus, usw.

Könnte es sein, dass die Maria – die in Marienerscheinungen, katholischer Lehre und Tradition auftritt – die Position und Statussymbole beansprucht, die eigentlich nur Jesus zustehen? Und damit unterm Strich den Anspruch erhebt, göttlich oder Gott gleich zu sein? (Denn das ist Jesus ja.)

Natürlich, _das_ würde Maria, die Magd Gottes, wie sie in der Bibel beschrieben wird, niemals tun. Aber vielleicht gibt sich eine andere Person, die Jesus Konkurrenz machen will, ganz unbemerkt als Maria aus?

* * *

Fußnotiz:

Wozu diese Gedanken zu Christi oder Mariä Himmelfahrt?

a) Wenn Sie neugierig geworden sind und vorher ungefähr so viel über Christi Himmelfahrt wussten, wie der Verfasser dieses Artikels – forschen Sie nach. In der Bibel lassen sich noch eine ganze Menge Dinge entdecken, die mit Himmelfahrt zusammenhängen und aussagekräftig bzw. echte Statussymbole sind. Warum wurde Jesus z.B. von einer Wolke in den Himmel emporgehoben?

b) Vielleicht feiern Sie selbst gerne Mariä Himmelfahrt und sind ebenfalls neugierig, überrascht oder aber auch verärgert. Auch hier bietet es sich an, selbst nachzuforschen: Was steckt hinter den beiden Himmelfahrtsfesten? Was sagt die Bibel – quer durch das ganze Buch – über Jesus? Und was über Maria?

c) Im Rahmen der Ökumene gibt es, denke ich, eine Reihe guter Gedanken, die man aus der katholischen Kirche übernehmen könnte. An einigen Stellen scheint sich die katholische Kirche besser an die Bibel zu halten, als wir das als Evangelische tun (soweit man das überhaupt verallgemeinern kann). In manchen Punkten könnte Ökumene bedeuten, von der katholischen Kirche zu lernen.

Für alle ökumenischen, evangelischen, evangelikalen und freikirchlichen Gottesdienste, Andachten und Veranstaltungen, sei hiermit angeregt, dabei aber die Marienverehrung unbedingt außen vor zu lassen. Ökumene könnte in diesem Fall bedeuten: der kleinste Gemeinsame Nenner. Das ist Jesus, der Herr der Kirche.

Die Maria der Marienverehrung (ich würde vermuten, dass ist noch eine andere Person als die Maria in der Bibel), scheint es, wie oben gezeigt, eher auf die Statussymbole und damit auf den Machtanspruch abgesehen zu haben, der nur Jesus zusteht. Dieser Satz ist (falls Sie zur katholischen Kirche gehören) für uns als Evangelische, Freikirchler usw. So wie es nach obigem Vergleich aussieht, passt die Marienverehrung nicht zum evangelischen Glaubensverständnis. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, würde ich daher bitten, hier auch bei ökumenischen sowie innerevangelischen Gottesdiensten und Veranstaltungen wachsam zu sein und jegliche Marienverehrung weiterhin außenvor zu lassen.


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