Gott ist kein Wunschautomat …

Glauben wir eigentlich, was wir predigen?

Herzlich willkommen zu unsrer heutigen Ausgabe von „Glauben wir eigentlich, was wir predigen?“ Wenn Sie mit dem christlichen Glauben nicht so viel am Hut haben, ist die Lektüre freiwillig. Wenn Sie Christ sind, ist die Lektüre mehr oder weniger Pflicht. ;-) Sollten Sie den Verfasser dieser Zeilen jedoch persönlich kennen, blättern Sie lieber auf ne andere Seite hier im Blogg …

Als Christen haben wir – ich pauschalisiere – viele Glaubenssätze, die wir immer mal wieder gerne einstreuen, und die wir als wirklich christlich betrachten. Einer davon ist die feste Überzeugung: „Gott ist kein Wunschautomat. (Gebet rein – Wunscherfüllung raus)“, die wir gerne mal einflechten, wenn sich jemand mit Wünschen an Gott wendet und unbedingt etwas von Gott will.
Der Satz mit dem Wunschautomaten steht zwar nicht in unserer Glaubensgrundlage, der Bibel, aber wir glauben feste daran. Dagegen gibt es viele Dinge, die wir als ungebührlich gegenüber Gott empfinden, die aber bei genauer Betrachtung in Gottes Wort empfohlen werden – auf das wir uns ja berufen …

Gott ist kein Wunschautomat

Wo hast du denn gelesen, dass Gott kein Automat ist? Sagen viele, steht in meiner Bibel aber nicht. – In meiner Bibel steht, dass Jesus sich über Bartimäus, der laut schrie, erbarmte. In meiner Bibel steht, dass Jesus auffordert, hartnäckig und unverschämt zu Gott zu bitten (bittende Witwe, bittender Freund). In meiner Bibel steht, dass Gott alles kann – auch das Unmögliche – und dass er fordert, dass wir uns an ihn (und nicht an Götzen) wenden sollen – und dass er dann auch gerne hilft, schon um zu zeigen, wer das Sagen hat. In meiner Bibel steht, dass Jesus sehr wohl die Wünsche vieler erhört hat. Und die Syrophönizierin hat ihm, Jesus, erst zugestimmt und dann ganz dreist widersprochen – und das hat Jesus ihr als Glaube ausgelegt und … ihre Bitte erfüllt.

An Christinnen und Christen
Vielleicht könntet ihr dafür mitbeten, dass wir Christen uns wieder mehr nach der Bibel richten. Wir haben lauter so Sätze wie den mit dem Automaten, die aber nirgends in der Bibel stehen. Dagegen lehnen viele Christen das, was ich grad gesagt habe, als unchristlich ab – obwohl es in der Bibel steht und obwohl es von Jesus kommt. Ich glaub, auch da ist dringend Gebet nötig.

Gut, was ich aber nicht verstehe, ist, dass Gott mir nicht so, wie sein Wort es beschreibt hilft. Dann davon, dass Gott zu seinem Wort steht, gehe ich tatsächlich aus – auch wenn ich das genauso wenig hinbekomme wie alle anderen Christen. Und auch davon, dass Jesus die Beispielerzählungen, wie man zu Gott beten soll, tatsächlich ernstgemeint hat.

Wenn ich glauben würde, die Berichte von Bartimäus & Co. wären nur Märchen, wäre die Aussage mit dem Wunschautomat nicht das Problem. Denn dann würde ich Gott kein Wunder zutrauen.
Und wenn ich Jesu ungeheuerliche Behauptung, man solle hartnäckig und unverfroren zu Gott beten, wegdiskutieren könnte – ganz egal ob mit frommen, scheinbar erwecklichen und gottesfürchtigen Argumenten oder eher historisch-kritisch (Wegdiskutieren ist Wegdiskutieren) – auch dann wäre der Satz „Gott ist kein Wunschautomat.“ völlig verständlich. Denn dann würde ich ohne Aufforderung bei Gott hereinplatzen und ihn mit meinen Wünschen vollquatschen, obwohl er das vielleicht gar nicht will.

Nun aber sind die Berichte über Bartimäus, die Syrophönizierin & Co. Tatsachen. Das glaube ich. Also Gott kann was tun, wenn er will. Und nach der Bibel nimmt er oft tatsächlich persönliche Wünsche wohlwollend entgegen – sogar, wenn sie aus Sicht Umstehender völlig egoistisch klingen.
(Jairus z.B. bat auch nur für die Genesung seiner eigenen Tochter. Er hat nicht, wie einige Mitchristen das fordern würden – gleich für das Leid der ganzen Welt und für alle kranken Kinder in seiner Umgebung mitgebetet. Seine Bitte war so gesehen nur für seine eigene Familie – also … egoistisch.)

Auch die Aufforderungen von Jesus, unverschämt zu Gott zu beten, sind echt. Natürlich gibt es viele Stellen in der Bibel, die vom demütigen Bitten und von der Reinheit der Motive sprechen, und davon, dass Gottes Wille Vorfahrt hat. Aber auch das unverschämte, geradezu aufdringliche Beten ist in der Bibel zu finden – als Anweisung. Von Jesus. Wenn wir – als Christen, die zu Jesus gehören – in dieser unverfrorenen Weise bei Gott hereinplatzen, dann ist das – meine ich – keine eigenmächtige, unchristliche Art, mit Gott zu reden. Sondern im Gegenteil: ein Ernstnehmen, dessen, was Jesus, Gottes Sohn, sagt.

Warum Jesus auf solche Bitten hin zeitweise nichts Erkennbares tut und die Bitten nicht zu erfüllen scheint, kann ich nicht erklären. Eigentlich „müsste“ er das, meine ich. Wegen seinem Wort. – Trotzdem können wir – grade wir Christen – nicht einfach Jesu Aussagen Wegdiskutieren. Nach dem Motto: „Du willst doch wohl nicht wirklich auf diese Weise zu Gott beten! Das gehört sich einfach nicht.“ Klar, wenn man das so sagt, braucht man Frage, warum Gott scheinbar nichts tut, was er doch irgendwie versprochen hat, nicht auszuhalten. Und schon ist das fromme Weltbild wieder in Ordnung.

Nein, Gott ist kein Automat. Er ist auch gegenüber mir zu nichts verpflichtet. Aber er hat sich selbst gegenüber verpflichtet, sein Wort zu halten. Und er ist doch der, der alles kann. Und der, der sich über uns erbarmt. Er hat den größten Sündern, wenn sie zu ihm kamen, ihre Schuld nicht vorgeworfen, sondern hat sich ihrer erbarmt. Und er hat die allerpersönlichsten, egoistischsten, für den Weltverlauf möglicherweise unwichtigsten Wünsche einzelner, unbedeutendender Menschen erfüllt. Und das, obwohl fast alle Umstehenden jeweils gesagt haben: Halt die Klappe, solche Bitten gehören sich nicht. In Gottes Reich gibt es wichtigere Dinge als deine persönlichen Wünsche.

Mir fällt nix anderes ein, als mich – angelehnt an die Worte von Bartimäus – zu wiederholen:

Jesus, Christus, Gottes Sohn – erbarme dich meiner!

Ich appelliere an Gottes Selbstverpflichtung und an Gottes Erbarmen!

Amen!

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