Geschwiegen wird – das ist das Schlimme!

Das folgenden Gedicht von Christl Macher bezieht sich auf die Pläne von Gesundheitsminister Röhe, Demenzkranke als Versuchspatienten für Medikamententests zu „verwenden“.

Hintergrundinfos:

Empört Euch!
(Titel erinnert an: Stéphane Hessel)

Da standen sie mit ihren Schildern
(man sah es auf den Zeitungsbildern)
um öffentlich zu demonstrieren
gegen Versuche an den Tieren.
Es ging dabei um alte Sachen:
Experimente an den Affen,
glaubte bisher ja alle Welt
die seien längst schon eingestellt.
Doch Vielen wurde plötzlich klar,
dass dieses wohl ein Irrtum war:
Tierschützer voller Zorn und Wut
gegen das Max-Planck-Institut!

Die so von Empathie getrieben,
wo sind sie alle denn geblieben,
wenn es um Tests an Menschen geht,
wie neulich in der Zeitung steht?
Schon liest man von Experimenten
an Alten, Kranken und Dementen,
die, weil sie keine Lobby finden,
in Anonymität verschwinden,
unfähig jetzt noch zu entscheiden:
müssen sie Willkür d’rum erleiden?
Gesundheitspolitik? Ein Hohn!
Man ahnt die Katastrophe schon.
Die Kirche nur erhebt die Stimme.
Geschwiegen wird – das ist das Schlimme!

Steht auf, ihr angepassten Braven,
ihr habt so lange schon geschlafen!
Es fiel bereits die erste Hürde:
ein Angriff auf die Menschenwürde!
Denn wenn jetzt noch mehr Zeit vergeht,
ist es vielleicht einmal zu spät.
Die Folgen wären dann fatal:
wir hatten dieses schon einmal!

Christl Macher

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Anmerkung von Ideesamkeit.de

Das Gedicht gefällt mir, weil die, die für das Leben und für den Wert des Lebens sind, oftmal viel zu brav sind und viel zu anständig. Spätestens, wenn Menschenleben in Gefahr sind oder an Menschen experimentiert wird, die nicht frei über medizinische Tests entscheiden können oder die aus Not dazu gezwungen sind, sollten auch die Anständigen aufmüpfig werden. Ohne Gewalt. Aber aufmüfpig.

Stéphane Hessel, ein frz.Widerstandkämpfer und UN-Diplomat, rief in seinem Essay „Empört euch!“ (Original-Titel: Indignez-vous!) zum politischen Widerstand bei schlimmen Fehlentwickungen auf.

Das Buch fordert den Leser zu einer engagierten Lebenshaltung auf, zu gewaltloser Revolte und zivilem Ungehorsam und proklamiert, dass jedermann einen Grund zum Widerstand habe. „Das Grundmotiv der Résistance war die Empörung.“ Wenn auch die Komplexität der gesellschaftlichen Strukturen und Beziehungen keine einfachen Erklärungen erlaube, so sei doch „das Schlimmste, was man sich und der Welt antun“ könne, die Gleichgültigkeit gegenüber den politischen Verhältnissen.

(Wikipedia)

 

Kleiner Anmerk am Rande: Stéphane Hessel rief wohl auch zum Boykott an Israel auf. Diese Meinung von ihm teile ich ausdrücklich nicht. Auch das hatten wir schonmal, dass ein Land zum Boykott gegenüber den Juden aufrief. Und nur weil ein Franzose oder nun die EU jetzt das anfängt, was Deutschland früher tat, wird die Sache mit dem Boykott gegenüber Isreal nicht besser.

Ansonsten gefällt mir der Gedanke von Stéphane Hessel sehr gut – und das Gedicht von Christl Macher sowieso: Leutz, seid nicht allzu anständig und allzu brav. Wenn Menschen in Gefahr sind, müssen wir aufmüpfig werden. Gewaltfrei! Freundlich! Aber die Klappe aufmachen.Laut und kreativ. Amen!

Im einem aktuellen Fleier-Entwurf versucht Ideesamkeit.de übrigens, beide im Gedicht eher als Gegensätze empfundenen Anliegen miteinander zu kombinieren: Tier- und Menschenschutz.

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